2026-10-12

Wünsdorf 1939: 12 Häuser waren Bunker, und dann 41 Jahre Sperrgebiet

Wer in Berlin nach dem Bunker sucht, in dem der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, findet einen Parkplatz und eine Tafel. Die Tafel steht seit dem 8. Juni 2006 dort, aufgestellt vom Verein Berliner Unterwelten, damit sich um den Ort keine Legenden bilden. Was von dem Bunker übrig ist, liegt unter dem Asphalt. Die Anlage, in der dieser Krieg jahrelang geplant und geführt wurde, liegt nicht in Berlin. Sie liegt zwanzig Kilometer weiter südlich im Kiefernwald bei Zossen, im Ortsteil Wünsdorf, und dort kann man sie bis heute betreten. Für unsere neue Folge haben wir diese Anlagen als 3D-Modell nachgebaut, nach den überlieferten Maßen und als Schema, und erzählen, was darin geschehen ist.

Eine Siedlung, in der niemand wohnte

1936 legte das Heer fest, dass sein Hauptquartier im Kriegsfall nach Zossen geht, in ein altes Truppenlager bei Wünsdorf. Ein Jahr später begann der Bau. Was dort entstand, sollte aus der Luft wie eine gewöhnliche Wohnsiedlung aussehen. Zwölf Häuser mit Satteldach, mit Fenstern und Türen, die nur aufgemalt oder vorgeblendet waren, und mit Schornsteinen, durch die keine Heizung rauchte, sondern die Lüftung atmete. Unter jedem Haus lagen zwei Etagen aus Beton, und ein Ringstollen verband alle Häuser miteinander. Die Anlage hieß Maybach I. Warum sie so hieß, ist nicht überliefert, und deshalb sagen wir es auch nicht.

Ein paar hundert Meter weiter wuchs zur selben Zeit der zweite Teil, und der war der eigentliche Grund für alles: die Nachrichtenzentrale Zeppelin. Ein Längsbau von 117 mal 22 Metern mit zwei Stockwerken, daneben ein Anbau von 57 mal 40 Metern mit drei Stockwerken, gebaut von der Reichspost. Nach außen trug der Bunker einen Tarnnamen, der wie eine Behörde klang: Amt 500. Zwei Stollen von je rund 150 Metern führten hinein, ein dritter verband ihn mit den zwölf Häusern.

Der Krieg kommt aus dem Wald

Im Mai 1939 begann in Zeppelin der Probebetrieb. Ende August 1939, wenige Tage vor dem Überfall auf Polen, zog das Oberkommando des Heeres von Berlin nach Zossen. Alle Fernmeldeverbindungen, die für den Angriff gebraucht wurden, waren da schon aufgeschaltet. Von nun an gingen von diesem Wald aus Befehle an die Truppen in ganz Europa. Laut der Fachliteratur war Zeppelin während des gesamten Krieges der größte und modernste Fernmeldeknoten der Wehrmacht. Im Sommer 1940 kam Maybach II dazu, elf weitere Häuser, in die das Oberkommando der Wehrmacht einzog.

Zwischen den Häusern standen Türme, die aussehen wie Zigarren aus Beton. Es sind Luftschutztürme der Bauart Winkel, benannt nach Leo Winkel, der die Form 1934 zum Patent anmeldete. Die Spitze sollte dafür sorgen, dass eine Bombe abgleitet, statt zu zünden. Rund 200 solcher Türme wurden in Deutschland gebaut, in Wünsdorf allein neunzehn. Bis 1948 wurden zwölf davon gesprengt, einer ist heute ein Museum.

1945: Angriff, Einmarsch, Sprengung

Am 15. März 1945 flogen über 580 Maschinen der 8. US-Luftflotte den dritten und schwersten Angriff auf Wünsdorf. 120 Menschen starben. Die Bunker hielten, das Oberkommando arbeitete während des Angriffs weiter, und erst danach wurden Dienststellen verlegt. Ende April stand die Rote Armee vor Wünsdorf, und der Ort wurde fast ohne Kampf übergeben. Der Stab von Marschall Schukow bezog hier Quartier, während seine Truppen um Berlin kämpften. Die Nachrichtenzentrale fiel kaum zerstört in sowjetische Hand.

Nach dem Krieg sprengten die Sowjets ab 1946 die beiden Maybach-Anlagen, nachdem alles Brauchbare ausgebaut war. Von den Häusern blieben Ruinen, in die man heute hineinsehen kann. Zeppelin aber blieb stehen. Der Bau war so schwer, dass sie ihn sich selbst überließen, und in den folgenden Jahren liefen seine unteren Räume mit Grundwasser voll.

41 Jahre Sperrgebiet

Im März 1953 wurden östlich der Bahnlinie die Wohnungen geräumt, dazu die Post, die Apotheke, die Sparkasse und die Läden. Etwa 800 Einwohner mussten ihren Ort verlassen und wurden umgesiedelt. Die Bundesstraße wurde gesperrt, 30.000 sowjetische Soldaten zogen ein, und Wünsdorf wurde Sitz des Oberkommandos der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Für die Menschen in der DDR war der Ort von da an Sperrgebiet, eine Stadt mitten im Land, in die kein Nachbar hineindurfte.

Dahinter entstand eine sowjetische Kleinstadt mit Kindergärten, Schulen, Sportplätzen, Schwimmbädern und Geschäften. Zu Spitzenzeiten lebten hier nach verschiedenen Angaben zwischen 50.000 und 75.000 Menschen, Soldaten mit ihren Frauen und Kindern, neben den rund 2.700 Wünsdorfern außerhalb des Zauns. Vom eigenen Bahnhofsteil fuhr ein Zug nach Moskau. Und unter dem Wald wurde der alte Bunker wieder gebraucht: Ende der fünfziger Jahre ließen die Sowjets das Wasser aus Zeppelin pumpen und bauten ihn zur Führungsstelle ihres Oberkommandos um, mit Schleusen und kleinen Arbeitsräumen. Laut Fachliteratur sollte er auch einen Atomschlag überstehen. Die deutsche Nachrichtenzentrale bekam einen russischen Namen: Ranet.

Im Juni 1994 feierte die Westgruppe der Truppen in Wünsdorf ihren Abschied, im September war die Stadt leer. Zurück blieben 260 Hektar, auf denen Munition vermutet wurde. Beim Räumen fand man rund 98.000 Stück Munition, dazu 47.000 andere Kampfmittel und 45.000 Kubikmeter Müll. Wer im Wald um Wünsdorf etwas Rostiges findet, lässt es liegen und ruft die Polizei.

Was unser Modell zeigt und was nicht

Die 3D-Anlagen sind ein Schema nach den überlieferten Maßen: zwölf und elf Bunkerhäuser, zwei Etagen, der Ringstollen und die Grundmaße von Zeppelin. Die Lage der Häuser A1 bis A6 und A13 bis A17 stammt aus OpenStreetMap, die übrigen haben wir auf dem Ring ergänzt. Für die Tiefe nennen wir keine Meterzahl, weil dafür nur eine Quelle vorliegt. Der Zaun um das Sperrgebiet ist ein Schema, nicht die historische Sperrlinie. Die Spielszenen mit Menschen im Video sind Illustrationen, mit KI erzeugt und im Bild gekennzeichnet. Sie zeigen keine realen Personen.

In unseren Daten liegen im Umkreis von fünf Kilometern um Wünsdorf 41 Bunker, dreißig davon mit Namen: die Maybach-Häuser A1 bis A6 und A13 bis A17, elf Spitzbunker, der Fernmeldebunker Zeppelin, der sowjetische Bunker Panzir und die Endbauwerke der Stollen. In ganz Deutschland sind es 10.720 Bunker, über viertausend davon allein im Westen an der alten Grenze. Das ist der Kartierstand von OpenStreetMap, auf die Staatsgrenze geschnitten, und keine abschließende Zählung. Die Bunker-Ebene der orecast-Karte gehört zu orecast Pro.

Selbst hinuntergehen

Seit 1998 ist Wünsdorf die erste Bücherstadt Deutschlands, mit Antiquariaten in den alten Kasernen. Die Bücherstadt bietet Führungen durch Maybach I und Zeppelin an, rund anderthalb Stunden unter der Erde bei zehn Grad. Einer der Winkeltürme ist ein Museum, und rund 20.000 Besucher kommen jedes Jahr. Termine und Preise stehen auf der Seite der Bücherstadt, bitte vor dem Besuch prüfen. Welcher Bunker in deiner Nähe steht, zeigt dir die orecast-Karte, und im Video siehst du die ganze Geschichte in elf Minuten.

Häufige Fragen

Was ist Maybach I in Wünsdorf?

Maybach I ist eine Bunkeranlage aus zwölf Häusern, die ab 1937 in Wünsdorf bei Zossen gebaut wurde. Von oben sollte sie wie eine Wohnsiedlung aussehen, mit Satteldächern, Fensterattrappen und Schornsteinen, durch die die Lüftung atmete. Unter jedem Haus lagen zwei Etagen aus Beton, und ein Ringstollen verband die Häuser. Ab Ende August 1939 saß hier der Großteil des Oberkommandos des Heeres. 1940 kam Maybach II mit elf weiteren Häusern dazu.

Warum war Wünsdorf Sperrgebiet?

Nach dem Krieg wurde Wünsdorf Sitz des Oberkommandos der sowjetischen Truppen in Deutschland. Im März 1953 wurden östlich der Bahnlinie Wohnungen, Post, Apotheke, Sparkasse und Läden geräumt, etwa 800 Einwohner wurden umgesiedelt und die Bundesstraße gesperrt. Bis zum Abzug im September 1994 war die Garnisonsstadt für Deutsche Sperrgebiet, also 41 Jahre lang.

Kann man die Bunker in Wünsdorf besichtigen?

Ja. Die Bücherstadt Wünsdorf bietet Führungen durch Maybach I und den Fernmeldebunker Zeppelin an, rund anderthalb Stunden unter der Erde bei zehn Grad. Einer der Winkeltürme ist ein Museum. Termine und Preise stehen auf der Seite der Bücherstadt, bitte vor dem Besuch prüfen.

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