Wer heute durchs Ruhrgebiet fährt, sieht Wohnstraßen, Halden mit Aussicht und Zechentürme als Museen. Was man nicht sieht: Unter alldem liegt eine zweite Welt. Ein Netz aus Schächten, Stollen und Abbaukammern, gegraben von Generationen von Bergleuten, in mehreren Sohlen übereinander, stellenweise mehr als tausend Meter tief. Unsere neue Folge steigt hinab und zeigt, wo diese Welt bis heute dokumentiert ist.
Ein Jahrhundert Kohle
Die Kohle machte aus Dörfern in wenigen Jahrzehnten eine der größten Industrieregionen der Welt. Hunderte Zechen förderten, was Hochöfen, Eisenbahnen und Kraftwerke in ganz Europa verbrannten, und Hunderttausende fuhren Tag für Tag ein. Ende 2018 schloss mit Prosper-Haniel in Bottrop die letzte Steinkohlenzeche Deutschlands. Die Förderung ist Geschichte, das Loch im Boden nicht: Was gegraben wurde, bleibt.
1.202 Punkte auf der Karte
Genau davon erzählt die Karte in dieser Folge: 1.202 dokumentierte Schächte, Stollen und andere Bergbau-Objekte allein im Ruhrgebiet, eingezeichnet in der orecast-Ebene „Höhlen & Bergbau“. Die Punkte stammen aus offenen, dokumentierten Quellen, und wie immer gilt unsere Ehrlichkeitslinie: Die Karte zeigt, was erfasst ist, nicht alles, was unter dem Boden liegt. Gerade im Ruhrgebiet ist der Altbergbau so dicht, dass immer wieder Hohlräume auftauchen, die auf keiner Karte standen, manchmal als Tagesbruch mitten in einem Vorgarten.
Eine Aufgabe ohne Enddatum
Und diese zweite Welt arbeitet weiter. Ohne die Pumpen, die das Grubenwasser für immer unten halten, stünde es irgendwann wieder in den Kellern; man nennt das im Revier die Ewigkeitsaufgaben. Der Bergbau ist vorbei, aber er ist nicht weg. Wer verstehen will, warum sich im Ruhrgebiet Straßen senken und Gutachter vor dem Hauskauf ins Altbergbau-Register schauen, findet die Antwort ein paar hundert Meter unter der Fußmatte.
Wichtig: Alte Stollen und Schächte sind lebensgefährlich. Sie können einstürzen, unter Wasser stehen oder tödliche Gase führen. Niemals betreten. Die Karte ist zum Ansehen und Verstehen da, nicht zum Einsteigen.