
Aus einer Datenbank ist ein Kinderbuch geworden. „Werner Wolf und der Schatz unter der Stadt“ nimmt Kinder ab sechs Jahren mit auf eine Reise senkrecht nach unten — durch Rohre, eine Römerstraße, ein Bergwerk und ein Meer, das längst zu Stein geworden ist. Und alles, was darin vorkommt, gibt es wirklich.
Die Frage, mit der alles anfing
Kinder stellen die beste Frage überhaupt, wenn sie auf einer Straße stehen: Was ist da eigentlich drunter? Erwachsene antworten meistens „Asphalt“ und wechseln das Thema. Dabei ist die ehrliche Antwort viel spannender — und sie ist der Grund, warum es orecast überhaupt gibt. Unter jedem Punkt, an dem man steht, liegt eine Abfolge von Schichten, die jede für sich eine Geschichte erzählt: erst das, was Menschen in den letzten hundert Jahren verlegt haben, dann das, was frühere Menschen hinterlassen haben, und darunter das, was die Erde selbst über Jahrmillionen abgelegt hat.
Genau diese Abfolge zeigt unsere App für jeden Punkt in Europa. Nur ist eine Karte mit Fundpunkten nichts, was man einem Sechsjährigen abends vorlesen kann. Also haben wir dieselbe Idee in eine Geschichte übersetzt.
Werner Wolf und Kai
Werner Wolf kennen die Zuschauerinnen und Zuschauer unseres Kanals bereits: ein alter, freundlicher Wolf mit grauer Strickjacke, zerrissener Jeans und einer Nase, die riecht, was tief unter der Erde liegt. Im Buch bekommt er Gesellschaft von Kai — einem Kind mit strubbeligen Haaren, roter Jacke und gelben Gummistiefeln. Ob Kai ein Junge oder ein Mädchen ist, verrät das Buch bewusst nicht. Kinder sollen sich hineinversetzen können, egal wer sie sind.
Die beiden treffen sich auf einem Stadtplatz, Werner hebt einen Kanaldeckel an, und von da an geht es immer weiter nach unten. Jede Doppelseite ist eine neue Schicht, und jede hat eine Leiter — man sieht immer, wo die beiden hergekommen sind und wo es weitergeht. Diese scheinbar kleine Entscheidung war die wichtigste des ganzen Buchs: Kinder verstehen räumliche Zusammenhänge sofort, wenn man sie ihnen zeigt, statt sie zu behaupten.
Sechs Schichten, die es wirklich gibt
Direkt unter dem Pflaster liegen Versorgungsleitungen — Wasser, Gas, Strom und Glasfaser, jede in ihrem eigenen Graben im Sandbett. Darunter, deutlich tiefer, verläuft der gemauerte Abwasserkanal, in den der Schacht unter dem Kanaldeckel führt. Das ist keine künstlerische Freiheit, sondern der reale Aufbau einer europäischen Straße, und wir haben ihn bewusst so gezeichnet, dass er stimmt.
Noch tiefer wird es archäologisch. In Köln liegt die römische Straße etwa sechs bis zehn Meter unter dem heutigen Niveau — ungefähr so hoch wie ein dreistöckiges Haus, nur eben nach unten. Im Buch findet Kai dort eine zerbrochene Amphore, ein Mosaik und eine Münze. Und lernt die Regel, die diesem Buch am wichtigsten ist.
Darunter kommt ein altes Silberbergwerk mit Holzbalken, einer Lore und Amethystdrusen, die violett aus dem Fels leuchten. Dann eine Fossilhöhle: ein großer Ammonit steckt im hellen Kalkstein, und in einer Denkblase sehen Werner und Kai das warme Meer, das vor rund 180 Millionen Jahren über weiten Teilen Süddeutschlands lag — mit Fischsauriern und einem Plesiosaurier. Ganz unten wird der Fels warm, und Werner sagt den Satz, um den herum das ganze Buch gebaut ist: Hier unten ist die Erde selbst der Schatz.
Schauen, nicht buddeln
Ein Kinderbuch über verborgene Schätze könnte leicht dazu verleiten, mit dem Spaten loszuziehen. Deshalb steht mitten in der Geschichte eine klare Regel. Als Kai fragt, ob man die römische Münze mitnehmen dürfe, antwortet Werner: „Nein. Schätze aus alter Zeit gehören ins Museum. Wir schauen — wir buddeln nicht.“
Das ist keine erfundene Moral, sondern geltendes Recht und archäologische Praxis: Ein Fund verliert fast seinen gesamten wissenschaftlichen Wert, sobald er ohne Dokumentation aus dem Boden geholt wird. Nicht das Objekt ist die Information, sondern die Schicht, in der es lag. Diese Haltung zieht sich durch alles, was wir machen — die Karte zeigt, was dokumentiert ist, und sagt genauso deutlich, wo nichts verzeichnet ist.
Rudi und die Kunst des Wiederlesens
Damit ein Bilderbuch die zwanzigste Vorlesenacht übersteht, braucht es mehr als eine Geschichte. Auf jeder Untergrund-Doppelseite versteckt sich deshalb Rudi der Regenwurm — genau einmal, mit roter Mütze. Bei den Römern trägt er einen Legionärshelm, in der Fossilhöhle eine Schnorchelmaske, im Bergwerk hat er eine Tasse Kaffee dabei. Dazu kommen ein Maulwurf mit Bauhelm, eine Ratte mit Käse im Kanal, eine schlafende Fledermaus, ein Kaninchenbau mit winzigem Familienfoto und eine Ameisenstraße mit Umzugskisten. Eine Auflösungsseite am Ende verrät, was alles zu finden ist.
Und weil nach dem Vorlesen die Fragen kommen, beantwortet eine eigene Wissensseite die häufigsten: Wie tief liegen die Römer wirklich? Warum liegt Altes eigentlich immer unten? Gab es hier tatsächlich ein Meer? Die Antworten sind kurz, ehrlich und ohne Zahlenspielereien — dieselbe Regel wie in der App.
Wie das Buch entstanden ist
Die Illustrationen sind mit Unterstützung von Bild-KI entstanden und anschließend Seite für Seite überarbeitet, montiert und geprüft. Das ist kein Geheimnis, sondern steht im Impressum des Buchs. Interessant ist eher, was dabei die eigentliche Arbeit war: nicht das Erzeugen der Bilder, sondern das Herstellen von Verlässlichkeit. Dass die Leiter auf jeder Ebene weitergeht. Dass unter jedem Kanaldeckel ein Schacht sitzt. Dass die Leitungen so liegen, wie sie wirklich liegen. Dass ein Ammonit nicht in der falschen Schicht auftaucht.
Am Ende hat ein dreistufiger Prüflauf jede Seite gegen Anatomie, Bildlogik und Text abgeglichen — dieselbe Sorgfalt, die wir sonst auf Datensätze anwenden. Ein Kinderbuch verzeiht Fehler nicht: Kinder sehen jede überzählige Pfote.
Erscheint in Kürze
Das Buch hat 24 Seiten, ist quadratisch im Format 17 × 17 Zentimeter, durchgehend farbig und richtet sich an Kinder ab sechs Jahren — zum Vorlesen und zum ersten Selberlesen. Es erscheint in Kürze bei Amazon; sobald es dort verfügbar ist, steht der Link auf unserer Buchseite.
Wer bis dahin schon wissen will, was unter dem eigenen Wohnort liegt: Genau dafür gibt es die Karte. Sie zeigt für jeden Punkt in Europa, welche Rohstoffe, Fossilien und historischen Spuren dort dokumentiert sind — und wo eben nichts verzeichnet ist.
Illustrationen mit KI erzeugt.