orecast.appKarte öffnen

Unter Trier lag der größte Goldmünzenschatz der römischen Kaiserzeit

Vorschaubild des Videos: Unter Trier lag der größte Goldmünzenschatz der römischen KaiserzeitVideo abspielen

Erst der Klick lädt das Video von YouTube. Vorher wird nichts von YouTube oder Google geladen.

Am 9. September 1993 frisst sich in Trier ein Bagger in die Erde. Auf dem Gelände des Mutterhaus-Krankenhauses an der Feldstraße entsteht ein Parkdeck, und die Schaufel reißt ein Bronzegefäß auseinander. Es ist randvoll mit römischen Goldmünzen, die seit fast 1.800 Jahren niemand gesehen hat. Der Baggerfahrer merkt nichts. Am Ende werden es mehr als 2.500 Münzen sein, rund 18,5 Kilogramm Gold. Das Rheinische Landesmuseum Trier nennt den Fund den größten Goldmünzenschatz der römischen Kaiserzeit weltweit. Unsere neue Folge, die erste der Reihe „Verschollen“, erzählt seine Geschichte vom Keller eines römischen Stadthauses bis zur Vitrine aus Panzerglas.

Ein Bagger, ein Lastwagen, ein Hotelparkplatz

Das Gold landet mit dem Aushub auf Lastwagen und verlässt die Baustelle. Am Nachmittag entdecken Hobby-Sammler die ersten Münzen an der Baugrube und folgen den Lastwagen quer durch die Stadt. Die Spur endet am Kockelsberg auf dem westlichen Moselufer. Dort wird der Aushub auf einer Fläche planiert, aus der ein Parkplatz für das Hotel Kockelsberg werden soll. Bald suchen dort Bauarbeiter, Lastwagenfahrer und Hotelgäste. Noch am selben Tag kommen über 400 Goldmünzen zum Vorschein.

Eine Kasse, die über 130 Jahre wuchs

Das römische Trier hieß Augusta Treverorum und war eine der größten Städte nördlich der Alpen, Handelsplatz und Verwaltungssitz. Die Porta Nigra entstand um das Jahr 170. Für große Summen nahm Rom Gold, den Aureus, eine Münze von knapp acht Gramm. Nach der Deutung von Karl-Josef Gilles, der den Schatz wissenschaftlich bearbeitet hat, war das Gold im Bronzegefäß wohl kein Privatvermögen, sondern eine staatliche Kasse. Das Museum folgt dieser Deutung. Wer die Kasse führte, weiß niemand.

Sie enthielt Münzen aus rund 130 Jahren. Die ältesten wurden um 63/64 unter Nero geprägt, und rund ein Drittel aller Stücke trägt sein Porträt. Knapp dahinter folgt Vespasian, der Bauherr des Kolosseums. Insgesamt zeigen die Münzen 29 Gesichter aus dem Kaiserhaus. Zusammen sind sie etwa ein Zehntel aller Aurei, die aus dieser Zeit überhaupt bekannt sind. Rund 80 bis 90 Prägungen darin waren nach Gilles zuvor unbekannt oder unveröffentlicht.

Zwei Verstecke und ein Bürgerkrieg

Die Hauptreihe der Münzen endet 167/168 unter Mark Aurel. Gilles vermutet, dass der Bestand danach ein erstes Mal versteckt wurde, womöglich als die Antoninische Pest die Gegend erreichte. Er stützt das auf eine Inschrift aus Trier, ein Beweis ist es nicht. Danach blieb die Kasse jahrzehntelang fast unberührt. Am Ende kamen nur noch sechs Münzen dazu, geprägt zwischen 193 und 196 unter Didius Julianus und Septimius Severus.

In diesen Jahren kämpften Septimius Severus und Clodius Albinus um den Thron, und der Krieg erreichte Gallien. Dass Trier belagert wurde, belegt eine Inschrift aus dem Jahr 197. Vermutlich im Jahr 196 vergrub jemand die Kasse im Keller eines Stadthauses. Er holte sie nie wieder ab. Das Haus verfiel, und die Stadt wuchs darüber weiter.

Der Abend an der Feldstraße und der Plastikeimer

Bis zum Abend hat sich in Trier herumgesprochen, dass an der Feldstraße Gold liegt. Einer der Sammler vom Nachmittag kommt mit einem Metalldetektor zurück, Erich Eixner, damals Mitte vierzig und Hobby-Sucher. Nach eigenen Angaben hatte er die Erlaubnis von Museumsdirektor und Baufirma. Er findet einen zusammengebackenen Goldhaufen aus 1.389 Aurei und daneben das Unterteil des Bronzegefäßes mit 561 weiteren Münzen. Noch in der Nacht ruft er im Museum an. Sein Satz ist überliefert: „Herr Gilles, ich hätte da ein paar Goldmünzen für Sie.“ Am nächsten Morgen bringt er den Fund ins Landesmuseum, in einem Plastikeimer.

Insgesamt 19 Menschen geben ab, was sie gefunden haben. So kommen 2.518 Münzen zusammen, von ursprünglich wohl rund 2.650, also etwa 96 Prozent des Schatzes. Die rund 130 fehlenden Münzen sind nach Gilles dem Museum vorenthalten worden. Sie verschwanden in privaten Händen und liegen nicht etwa noch im Boden, denn der Aushub wurde schon am Fundtag von Dutzenden Menschen durchwühlt.

Dass so viele abgeben, hat mit dem Schatzregal zu tun. In Rheinland-Pfalz gehören bedeutende Funde dem Land, und die Finder bekommen eine Belohnung nach Ermessen. Genau daran entzündete sich Streit. Eixner erzählt, ihm sei zunächst eine Million D-Mark in Aussicht gestellt worden. Bekommen hat er nach eigenen Angaben rund 20.000 Mark. Laut einem Zeitungsbericht wurde die Prämie auch gekürzt, weil er ein abgesperrtes Grabungsareal betreten hatte. Wie fair das war, mag jeder selbst beurteilen. Klar ist, dass Sondeln ohne Genehmigung an Bodendenkmälern keine Grauzone ist, sondern strafbar.

Die Nacht, in der das Panzerglas hielt

26 Jahre später ist der Schatz der Star im Münzkabinett des Landesmuseums. In der Nacht zum 8. Oktober 2019 klettern mindestens zwei Vermummte über ein Baugerüst, brechen ein Fenster im ersten Stock auf und schlagen mit einem Vorschlaghammer auf die Vitrine ein. Das Panzerglas hält. Der Alarm läuft, nach wenigen Minuten ist die Polizei da, und die Täter fliehen ohne eine einzige Münze in den Palastgarten. Zurück bleiben ihr Werkzeug und ihre Sporttaschen.

An einer der Taschen findet sich DNA. Sie führt zu einem damals 28-jährigen Niederländer, der mit europäischem Haftbefehl gesucht und im Dezember 2020 ausgeliefert wird. Am 24. August 2021 verurteilt ihn das Landgericht Trier zu drei Jahren Haft wegen versuchten Diebstahls in einem besonders schweren Fall. Nach seinem Geständnis stand er draußen Wache. Wer drinnen den Hammer schwang, ist bis heute unbekannt.

Keine Münze fehlt. Das Land investierte danach über eine Million Euro, und seit dem 10. September 2022 ist das Münzkabinett mit rund 14.000 Münzen wieder offen. Der reine Materialwert des Goldschatzes liegt deutlich über einer Million Euro. Für die Forschung ist das die langweiligste Zahl an diesem Schatz.

Was die Karte kennt und was nicht

Hätte eine Karte diesen Schatz gekannt? Die ehrliche Antwort lautet nein. In den Rohstoffdaten unserer Karte steht im Umkreis von 25 Kilometern um die Feldstraße kein einziger Eintrag. Eine vergrabene Kasse im Keller eines Wohnhauses verzeichnet keine geologische Karte, und der Fundort selbst ist heute Klinikgelände. Warum das grundsätzlich so ist, steht in unserem Beitrag über Karten, die Gold versprechen.

Was die Karte kennt, ist der Untergrund drumherum. Bei unserer Abfrage im August 2026 waren im Umkreis von zehn Kilometern 34 Höhlen und Stollen dokumentiert, darunter die Genovevahöhle und die Hochburghöhlen. Dazu kommen alte Stolleneingänge, viele davon mit Gefahrenvermerk. Stollen und Schächte betritt man nie.

Im Umkreis von 25 Kilometern stehen in unseren Daten 76 Fossil-Datensätze an 17 Orten, fast alle auf der luxemburgischen Seite der Mosel. Am Hafen von Mertert, rund 14 Kilometer vom Fundort, sind im Muschelkalk das Meeresreptil Nothosaurus und die Seelilie Encrinus liliiformis dokumentiert. Die Seelilie ist keine Pflanze, sondern ein Tier auf einem Stiel, verwandt mit den Seesternen. Der Muschelkalk ist der Boden eines Meeres, das hier vor über 200 Millionen Jahren lag. Aus Mertert ist außerdem ein Hai aus der Trias verzeichnet, und bei Wasserbillig kommen Nashörner aus der Eiszeit dazu.

Den Schatz selbst ansehen

Der Goldschatz liegt im Münzkabinett des Rheinischen Landesmuseums Trier und ist nach unserem Stand vom August 2026 dort ausgestellt. Öffnungszeiten und Eintritt bitte vor dem Besuch auf der Seite des Museums prüfen. Am Fundort an der Feldstraße gibt es nichts zu sehen, er ist überbaut, und der Kockelsberg ist kein Goldacker. Sondeln ist in den meisten Bundesländern genehmigungspflichtig, Raubgrabung an Bodendenkmälern ist strafbar. Unser Motto lautet deshalb „Schaut, staunt, grabt nicht“.

Die Fotos des Schatzes im Video sind echt (Th. Zühmer, Rheinisches Landesmuseum Trier), darunter das Bild des Fundzustands mit dem zerrissenen Kessel. Die Aurei in Großaufnahme sind Beispielmünzen aus anderen Sammlungen und gehören nicht zum Trierer Fund. Die Szenen aus der Antike und von 1993 sind mit KI erzeugt und im Bild gekennzeichnet, es sind Illustrationen und keine Aufnahmen. Was rund um Trier dokumentiert ist, zeigt dir die orecast-Karte, und im Video siehst du die ganze Geschichte in rund 16 Minuten.

Illustrationen mit KI erzeugt.

Häufige Fragen

Wie groß ist der Trierer Goldmünzenschatz?

Erhalten sind 2.518 römische Goldmünzen, sogenannte Aurei, von ursprünglich wohl rund 2.650. Zusammen wiegen sie etwa 18,5 Kilogramm. Das Rheinische Landesmuseum Trier nennt den Fund den größten Goldmünzenschatz der römischen Kaiserzeit weltweit. Die Münzen stammen aus rund 130 Jahren, von Nero bis Mark Aurel, dazu sechs jüngere Stücke aus den Jahren 193 bis 196.

Wo kann man den Trierer Goldschatz sehen?

Im Münzkabinett des Rheinischen Landesmuseums Trier. Nach dem Einbruchsversuch 2019 investierte das Land über eine Million Euro, seit dem 10. September 2022 ist das Kabinett mit rund 14.000 Münzen wieder geöffnet. Nach unserem Stand vom August 2026 ist der Goldschatz dort ausgestellt. Öffnungszeiten und Eintritt bitte vor dem Besuch auf der Seite des Museums prüfen.

Liegt am Kockelsberg noch römisches Gold?

Nein, davon geht die Forschung nicht aus. Die rund 130 fehlenden Münzen sind nach Karl-Josef Gilles dem Museum vorenthalten worden, also in privaten Händen verschwunden. Der Aushub wurde schon am Fundtag von Dutzenden Menschen durchsucht, und der Fundort an der Feldstraße ist heute überbaut. Sondeln ohne Genehmigung ist an Bodendenkmälern ohnehin strafbar.

Was geschah beim Einbruch 2019?

In der Nacht zum 8. Oktober 2019 drangen mindestens zwei Vermummte über ein Baugerüst ins Museum ein und schlugen mit einem Vorschlaghammer auf die Vitrine. Das Panzerglas hielt, die Täter flohen ohne Beute. Über DNA an einer zurückgelassenen Sporttasche wurde ein damals 28-jähriger Niederländer ermittelt, der draußen Wache gestanden hatte. Das Landgericht Trier verurteilte ihn 2021 zu drei Jahren Haft. Die Männer mit dem Hammer sind bis heute unbekannt.