2026-08-28

Unter dem Saarland liegt ein zweites Saarland, und seine Pumpen laufen für immer

Im Juni 2012 fuhr im Saarland die letzte Schicht aus. Der Steinkohlenbergbau war vorbei, nach fast dreihundert Jahren. Aber unter dem Land läuft bis heute etwas weiter, das niemand einfach abstellen kann. An fünf Stellen stehen Pumpen: Viktoria, Camphausen, Duhamel, Reden, Luisenthal. Sie heben bis zu 26 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr aus einem Bergwerk, das es offiziell nicht mehr gibt. Diese Wasserhaltung wird nicht in zehn Jahren enden und nicht in hundert. Sie ist eine Dauereinrichtung, solange die Stollen unter dem Land liegen.

Fast durchgehend Staatssache, aber nicht lückenlos

Was das Saarland bergbautechnisch besonders macht, ist seine Struktur. 1751 vollzog Fürst Wilhelm Heinrich zu Nassau-Saarbrücken die „Einziehung" der Steinkohlengruben in seinem Fürstentum. Von da an lag der Bergbau über rund zweieinhalb Jahrhunderte weit überwiegend in staatlicher Hand: erst nassau-saarbrückisch, dann preußisch, zwischenzeitlich zweimal französisch verwaltet, zuletzt beim Land Saarland selbst. Das ist ein deutlicher Unterschied zu Revieren wie dem Ruhrgebiet, wo private Gesellschaften den Ton angaben.

Ganz so einfach war es allerdings nicht. Nassau-Saarbrücken war ein Kleinfürstentum, und das Kohlerevier war zersplittert zwischen mehreren Herrschaften: Kurtrier, Pfalz-Zweibrücken, das französische Saarlouis, Lothringen und die Reichsgrafschaft von der Leyen. Bei St. Ingbert etwa kaufte Graf Ferdinand von der Leyen 1742 sechzehn Gruben auf, aber nur auf dem Gebiet, das ohnehin ihm gehörte. Die „Einziehung" von 1751 war also kein Griff nach dem gesamten Revier, sondern die Verstaatlichung innerhalb der eigenen Grenzen.

Eine Kohleperle aus einem Keltengrab

Wie alt die Beziehung der Menschen hier zur Kohle ist, zeigt ein Fund bei Rubenheim: In einem Grab aus dem siebten Jahrhundert vor Christus lag eine Perle, geschnitzt aus Steinkohle. Der Fund belegt, dass jemand vor rund 2.700 Jahren Kohle in der Hand hatte, und zwar als Schmuckstück, nicht als Brennstoff. Er belegt kein Bergwerk und keinen organisierten Abbau zu dieser Zeit. Zwischen diesem einzelnen Objekt und dem industriellen Bergbau, der 1751 unter staatliche Regie kam, liegen Jahrhunderte, über die die Quellenlage schweigt.

Genau in diesem Spannungsfeld zwischen belegtem Fund und unbelegter Interpretation bewegt sich vieles, was unter dem Saarland zu finden ist: Pumpenstationen, die man besichtigen kann, historische Grenzen, die sich aus Urkunden rekonstruieren lassen, und einzelne Objekte, die mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten. Was gesichert ist, wird in der Folge als gesichert benannt; was offen bleibt, bleibt offen.

Wer selbst nachsehen will, was unter seiner Region liegt, vom stillgelegten Saarrevier bis zu Fundstellen wie Rubenheim, findet die entsprechenden Orte auf der Karte von orecast.app.

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